Grosse Halle

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Fr. 08. – So. 10. Okt. 2021

Sprungbrett: Hypnos

jeweils 20 Uhr

Eine Sprungbrett-Tanz-Produktion von Marcel Leemann und Nicolas Streit
Mit Absolvent*innen und Auszubildenden von Tanzausbildungen aus Europa und Stimmen aus der ganzen Welt

O Hypnos, Bezwinger der Leiden, Ruhe der Seele, besserer Teil des menschlichen Lebens! Du geflügelter Sohn der Nacht, träger Bruder des Todes, du, der du Falsches mit Wahrem vermischst; Oh du, der du gleichermaßen zum König und zum Sklaven kommst, der du das Menschengeschlecht, zitternd vor dem Tod, zwingst, sich auf die unendliche Nacht vorzubereiten – süss und sanft besänftige meinen müden Geist. Und verlasse meine wilde Brust nicht, bis mein Verstand seinen Lauf wiederfindet."
Seneca, 1. Jhd. n.Chr.

Die zweite Sprungbrett-Produktion, im Jahr 2 der Corona-Krise. Zehn junge Tänzer*innen, von Hypnos gesandt, schwirren aus in die Welt und erkunden sich: Welche Träume träumen wir in dieser pandemischen Zwischenwelt? Oder liegen alle nur noch wach?

Im zweiten Teil ihrer „Katastrophen"-Serie nehmen sich Marcel Leemann und Nicolas Streit gemeinsam mit Absolvent*innen von Tanzausbildungen und der Musikerin Casanora dem gegenwärtigen Gesellschaftszustand an. Während in der letztjährigen Produktion „High Risk Body“ körperliche Gefahr und unsere Verwundbarkeit das Thema war, erforschen sie nun im zweiten Jahr der globalen COVID-Pandemie den ambivalenten, fluiden Wach-Traum-Zustand von Heute.

Diesen Zwischen-Zustand einer Welt, wo an einigen Orten schon wieder alles möglich zu sein scheint, während sich anderswo durch Mutationen und überlastete Gesundheitssysteme die Pandemie zu einer veritablen Poly-Pandemie und Mehrfachkrise, ausgewachsen hat. Einem Zustand – global – irgendwo zwischen Corona-Winterschlaf und „normalem“ Leben, noch nicht wirklich wach und sehr, sehr nah am Eingang zur „Unterwelt“.

HYPNOS ist eine moderne Überschreibung der antiken griechischen Göttermythen von Hypnos, dem Gott des Schlafes und seinen „vielen tausend Kinder“, den Oneirois, mit ihren klingenden Namen, Morpheus, Phobetor oder Phantasos, die in der griechisch-römischen Sagenwelt als Menschen, Tiere oder „unbelebte Dinge“ unter „dem Volk umherstreifen und die Menschen im Schlaf heimsuchen.“ (Ovid, Metamorphosen, ca. 1-8 n.Chr.)

Die zehn Performer*innen erkunden als heutige Oneiroi die Gegenwart, die Alp- und Wunsch-Träume von uns derzeitigen Erdenbewohner. Antike Dichtung und autobiografische Texte der Performer*innen vermischen sich mit Stimmen von jungen Menschen, die man hier oft nicht hört, aus Gegenden, die zu vergessen gehen drohen – und durch die COVID-Krise zusätzlich zu schwierigen politischen Situationen massiv belastet sind, beispielsweise aus Syrien, der Westbank oder dem Irak.

Dafür arbeiten Marcel Leemann und Nicolas Streit mit NGO's zusammen, die weltweit aktiv im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit und Humanitären Hilfe sind. (Update folgt)

Musikalische Unterstützung kommt von Casanora, der Berner Electronica-Newcomerin mit italienischen Wurzeln, für ihr musikalisches Tun mehrfach ausgezeichnet, u.a. von „M4Music, Demotape Clinic" als „Best Electronic-Newcomer 2020" und von der „Musikförderung Bern (MFB), Song of the Year 2020" für ihren Track „No Suprise".

Casanora arbeitet an der Schnittfläche von Installation, Performance, Club und Musik und wird für HYPNOS die O-Töne von „Draussen" für das „Drinnen" im Theatersaal mit eigenen Sounds und den Live-Texten der Performer*innen verweben.

Vielstimmiges trifft auf Chorisches, Rationales auf Irrationales, Antike auf Zukunft, auf Gegenwart. HYPNOS ist der Versuch anhand der zeitlosen, mythologischen Setzung einen Umgang mit der komplexen und absurden Gegenwart zu finden. Auf der antiken Folie erträumen sich die jungen Tänzer*innen eine Gegenwart voller Widersprüche und Widersinnigem. Tanzen, sprechen, singen von einer surrealen Realität.

Ein virtueller Traumaustausch über Länder, Sprach- und andere Grenzen hinweg

Reservierungen: marcelleemann@gmail.com oder Abendkasse
Tickets: 20.-/ 25.-

marcelleemann.ch

Choreographie: Marcel Leemann
Dramaturgie: Nicolas Streit

Text: Nicolas Streit, Ensemble
Bühne: Marcel Leemann, Nicolas Streit
Musik: Casanora
Licht: Pascal Pompe
Grafik: Sophie Wagner
Produktionsleitung: Niki Anjes Stalder
Administration: Daniela Burn-von Gunten

Ko-Produktion Grosse Halle
Mit freundlicher Unterstützung der Ernst Göhner Stiftung