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Bergkatze
Samstag, 22. September 2007, 20.30 Uhr
Stummfilm mit Live-Musik in der Grossen Halle der Reitschule Bern


Die Bergkatze
Ernst Lubitsch, D 1919-1922, Stummfilm, s/w, 35mm, 20B/sek, 84 Minuten
Neu restaurierte Fassung. Eine Auftragskomposition der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

Dem reichen Musikerbe aus der Zeit des Stummfilms ist die Arbeit des zehnköpfigen Orchesters unter der Leitung des italienischen Komponisten und Musikers Marco Dalpane aus Bologna verpflichtet, der seit Jahren im Auftrag des Filmfestivals «Il cinema ritrovato» und des Filmarchivs Bologna Musikkompositionen zu Stummfilmen schafft. Ein erster Auftritt «Die Bergkatze» fand am Festival 2000 «Il Cinema Ritrovato» in Bologna statt. Arte realisierte die Produktion der Musik. Im September 2000 spielte das Ensemble zur «die Bergkatze» bei uns in der Grossen Halle. «Die Bergkatze» wurde am 19. Oktober 23.00 Uhr auf Arte ausgestrahlt. Für den Film «die Bergkatze» hat Marco Dalpane in der zwischen Zeit einige Internationale Auszeichnungen erhalten. Nun wird nach sieben Jahren «die Bergkatze» mit seinem zehnköpfigen Orchester aus Bologna wieder bei uns auftreten. Geschrieben wurde die Musik für die Instrumente Klarinette, Violine, Violincello, Kontrabass, Pianoforte, Trompete und Posaune.

Synopsis «Die Bergkatze»: Der bekannte Schürzenjäger Leutnant Alexis wird in die Festung Tossenstein versetzt, wo er bereits von der heiratswilligen Lilli, der Tochter des Kommandanten erwartet wird. Auf dem Weg dorthin wird er von Rischka, der Tochter eines Räuberhauptmanns, überfallen. Sie verlieben sich. Rischka wird aber von ihrem Vater mit dem Räuber Pepo verheiratet. Als sie erfährt, dass ihr geliebter Leutnant nun doch Lilli heiraten wird, begibt sie sich in die Festung, um Alexis zu sehen. Dort trifft sie auf die verzweifelte Lilli. Nachdem sie von ihr erfahren hat, dass Alexis mehr für sie als für Lilli empfindet, verbündet sich die gerührte Rischka mit der Tochter des Kommandanten. Sie macht Alexis eine so wilde Szene, dass dieser sich der sanfteren Lilli zuwendet. Daraufhin kehrt Rischka, die Bergkatze, zu ihrem Räubergemahl zurück.

Der Regisseur Ernst Lubitsch (1892 - 1947) gilt neben Fritz Lang und Friedrich Wilhelm Murnau zu den bedeutendsten Regisseuren der deutschen Stummfilmzeit. Er galt besonders als Spezialist für Komödien. Sein unverwechselbarer Stil machte ihn berühmt und sicherte ihm den wohlverdienten Platz in der Filmgeschichte.

Seine Filme zeichneten sich durch Eleganz, Raffinement und Geschmack aus. Kein Regisseur verstand es, so raffiniert Requisiten einzusetzen, um eine Situation oder einen Konflikt pointiert aufzulösen. Neben Komödien inszenierte Lubitsch auch hervorragende Melodramen, Kammerspiele und historische Kostümfilme. Als Regisseur drehte er insgesamt 38 deutsche und 29 amerikanische Filme.
Lubitsch wurde am 29.1.1892 in Berlin geboren. Geprägt wurde er durch die Kunst und das Kino der Vorweimarer Zeit. Mit 19 wurde der Sohn eines jüdischen Mantel- und Kostümfabrikanten Ensemblemitglied des Deutschen Theaters. Dort machte er unter Max Reinhardt wichtige Erfahrungen für seinen späteren Erfolg als Regisseur. l913 wandte sich Lubitsch, zunächst als Schauspieler, bald als Autor und Regisseur dem Kino zu. Seine ersten Filme waren kleine Komödien, in denen er selbst die Hauptrolle übernahm.

Mit «Die Bergkatze», basierend auf einem Manuskript von Hanns Kräly, drehte Lubitsch den ersten konsequent durchgeführten Spielfilm in Deutschland. Zugleich war es sein erster kommerzieller Misserfolg. Einer der Gründe war sicherlich, dass der Film kurz nach Ende des ersten Weltkrieges in die Lichtspielhäuser kam und das Publikum noch nicht bereit war, eine Militärparodie zu akzeptieren. Lubitsch selber schätzte seinen Film sehr. Seiner Meinung nach enthielt der Film mehr Ideen und satirischen Witz als die meisten anderen seiner Werke. Andererseits wurde das Publikum mit einem neuen und einzigartigen Stil konfrontiert. Lubitsch hatte die Absicht, den Film auf eine nur gedanklich getragene Groteske hin zu inszenieren. Für die Ausstattung engagierte er den Maler Ernst Stern, der Lubitschs Vorstellungen konsequent in Ausdruck umsetzte. So entstand eine Architektur, die die Pointe der Ironie vorweg nimmt und eine Parodie auf Ausdruckmittel des Expressionismus darstellt. Ergänzend dazu legte Lubitsch über die Bilder schwarze Passepartouts der unterschiedlichsten Formen. So entstand eine Abfolge von Bildern in runden, ausgefransten und gezackten Rahmen, die zusammen mit der künstlichen Dekoration eine neuartige und extreme Stilleistung zu Zwecken einer satirischen Burleske erreichen. Letztendlich wurde «Die Bergkatze» gerade wegen dieser phantasievollen Architektur, grotesken Ausstattung und der Experimente mit den Bildformaten berühmt.

Zu seinen bekanntesten Stummfilmen, die Lubitsch neben «Die Bergkatze» zwischen 1919 und 1922 in Deutschland inszenierte, gehören Meisterwerke wie «Die Austernprinzessin», «Die Puppe», «Kohlhiesels Tochter», «Das Weib des Pharao» und natürlich «Madame Dubany» und «Annna Boleyn». Er arbeitete mit erfolgreichen Diven zusammen: Mit Pola Negri, Marlene Dietrich, Greta Garbo, Mary Pickford und Asta Nielsen.

Die Schauspielerin Pola Negri war eine der ganz grossen Stummfilm-Diven, die Hollywoods Extravaganz erst so richtig berühmt gemacht haben. Sie war die erste grosse Schauspielerin, die das Hollywoodkino der Stummfilmära mitbestimmte. Im deutschen und amerikanischen Stummfilm und im deutschen Tonfilm verkörperte sie mondäne Frauen- und Vamptypen. Geboren wurde die exzentrische Schauspielerin in Lipno (Polen).


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